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Laura Letinsky
Ecstatic, Even












Die Galerie m zeigt im Rahmen ihrer Feature-Ausstellungen Tücher aus der Serie Ecstatic, Even von Laura Letinsky (*1962 Winnipeg, Kanada). Die Stoffe zeigen Fotografien, die die Künstlerin an verschiedenen Orten in Mumbai aufgenommen hat. Sie fotografierte unter anderem auf dem Blumenmarkt in Bangalore und in einem Hochzeitszelt am Tag nach der Festlichkeit. Die Tücher sind in der Ausstellung um einen Holzstab geschlungenen und dürfen berührt und bewegt werden.

“India. I didn’t want to, didn’t want to be amazed, befuddled, gorged on the click click clicking of the shutter. Orchidsgladiolascowsdaffodilscandywrappersmasalasellersyelloworangebloodredroses&shit in the growing sweat and wilt of the mid-morning sun. Gray snakeskin cement spewn with pink star flowers. Still optimistic morning-after field of crimson-made-orange in the gold cold of the midday sun blinding white garlands and cigarette butts. 1’s and 0’s brought home to the warp and weft where they belong.”
Laura Letinsky

Die Bilder wurden von der Künstlerin aus zahlreichen mit dem iPhone aufgenommenen Fotografien digital zusammengeschnitten - ein Vorgang, den Laura Letinsky selbst als “digitales Nähen” bezeichnet. Im Anschluss wurden die so entstandenen Bilder auf Seidenchiffon und Kaschmirwolle gedruckt.
Die montierten Bilder geben also nicht den ursprünglichen Zustand solcher Böden wieder. Vielmehr schafft die Künstlerin durch die fotografische Intervention, durch Bildausschnitt und Perspektive sowie die Bildbearbeitung neue Kompositionen. Dies geht aus den Werken nicht unmittelbar hervor. Auf den ersten Blick meint man die Untergründe zu sehen, wie sie die Künstlerin vorgefunden hat. Erst bei genauer Betrachtung lässt die ausgewogene Anordnung der Objekte die Collage erahnen.

Der Vorgang des Sammelns, Arrangierens und Collagierens ist in Laura Letinskys Oeuvre fest verwurzelt. In ihren Stillleben komponiert sie Gegenstände wie Geschirr, Früchte und Plastikobjekte. In Ill Form Void Full fügt die Künstlerin auch Ausschnitte aus Magazinen und eigenen Arbeitsprints in ihre Werke ein. Sie greift auf einen großen Bestand an Bildmaterial zurück und entwickelt durch ihren Umgang mit Raum, Licht und Farbe ein ungewöhnliches Bild der fotografisch gefassten Wirklichkeit – so ist es auch in Ecstatic, Even zu beobachten.

Bei den Tüchern steht zudem die Materialität der Stoffe in einem interessanten Verhältnis zu den Bildinhalten. Seidenchiffon und Kaschmirwolle sind edle und teure Stoffe, die zur Berührung animieren und als Schals eng am Körper getragen werden. Dies ist in Anbetracht der Bilder, die den teils ungeschönt schmutzigen Boden zeigen, paradox: Man greift gleichsam nach Dingen, die achtlos fallen gelassen wurden und sich mit dem Staub auf dem Boden vermischen. Zudem ist es spannend zu beobachten, wie sehr sich die Wirkung der Bilder in beiden Materialien unterscheidet. Während sich in den leichten, transparenten Tüchern aus Seidenchiffon das Licht fängt, muten die Kaschmir-Schals weich und opak an.