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Keiko Sadakane
訪 問 - 48x Braun
10. November 2006 bis 13. Januar 2007
 
















Die erste Einzelausstellung von Keiko Sadakane zeigte die Galerie m Bochum bereits vor 10 Jahren. Seitdem begleitet sie die künstlerische Entwicklung der 1948 in Tokyo geborenen Künstlerin in intensiver Auseinandersetzung und stellt ihre Werke vielfach aus.

Bekannt ist Keiko Sadakane durch ihre konkreten und konzeptionellen Arbeiten, die auf einer strengen Systematik und einer klaren, geometrischen Formensprache beruhen. Ihr Grundkonzept definiert sich aus einfachen, logischen Berechnungen, in der Wahrnehmung wirken die Werke jedoch komplex und poetisch. Dies resultiert u. a. aus Keiko Sadakanes sensiblem Einsatz verschiedener Materialien und deren Verbindung mit Malerei. So benutzt sie z.B. Aluminium, Stahl oder Holz als Bildträger auf den sie weiße Flächen aus Gesso, einer Mischung aus Gips und Acryl aufträgt. Obwohl diese Pinsel- oder Spachtelspuren erkennen lassen, wirken sie durch das klare Weiß transparent und nahezu immateriell.

In dem Zusammenspiel rationaler Systematik und sinnlicher Materialität und Malerei erzeugt Keiko Sadakane eine Atmosphäre stiller Klarheit und geheimnisvoller Spannung, verbindet eine minimalistisch kühle Ästhetik mit anziehender Schönheit und Zartheit.

Neben den VOLUMINA - Arbeiten, die zu der eben beschriebenen Werkgruppe gehören, zeigt die gegenwärtige Ausstellung einen ganz neuen Aspekt in der künstlerischen Entwicklung Keiko Sadakanes: Den Einbezug von Farbe und Schrift.
Zu sehen sind raumgreifende Installationen aus zusammengehörigen Wort- und Farbtafeln sowie reine Farbarbeiten, die Keiko Sadakane eigens für diese Ausstellung konzipiert hat. Ohne die Klarheit ihres konkreten Formenrepertoires aufzugeben, ergibt sich nun eine weitere Ebene in Sadakanes Werk und zwar die des Erzählerischen und Assoziativen.
Ihre Farbskala beruht auf der japanischen Farbästhetik, die an gebrochene, trübe Zwischentöne angelehnt ist. Die Ausgangsfarben der gezeigten Arbeiten sind Grau oder Braun, die mit weiteren reinen Farben nuancenreich vermischt und zu einem chromatischen Farbklang zusammengesetzt werden.

In der Arbeit 四十八茶 - Besuch (48x Braun - Besuch) ordnen sich einzelne, auf Holztafeln aufgetragene Farbtöne 48 epochen-, länder- und kulturübergreifenden Begriffen zu, die in vielfältiger Form mit der Bedeutung von „Besuch“, mit Zwischenzuständen und indifferenten Situationen verknüpft sind. So lässt z.B. das aus Goethes Faust stammende Wort „Wonnegraus“ an die Begegnung von Faust und Gretchen denken und an das so merkwürdige Gefühl zwischen Wohlbefinden und Unbehagen, während sich „Orfeo“ auf Orpheus und seinen Besuch der Unterwelt bezieht. Auch in anderen Arbeiten finden sich immer wieder Anspielungen auf Literatur und Musik. Mit einem Begriff wird z.B. die Atmosphäre von Thomas Manns „Tod in Venedig“ spürbar, ertönt Alban Bergs Komposition „Dem Andenken eines Engels“ oder die „Verklärte Nacht“ seines Lehrers Arnold Schönberg.

In den Wort- und Farbinstallationen eröffnet sich für den Betrachter ein weites Feld für Assoziationen und Entdeckungen, für das Einlassen auf einzelne Wort- als auch Farbklänge und deren Zusammenspiel. Vielfältig, spannungsreich und intensiv verbindet Keiko Sadakane Formen, Farbe und Schrift und findet im Konkreten ihren Raum für das Erzählerische.