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Tanya Poole
The Whispering Spring


Summer is a small fortune, 2018
Kandahar Tinte auf
Fabriano Papier
200 x 150 cm



Bee 66, Tusche auf Papier, 21 x 29,6 cm



Bee 70, Tusche auf Papier, 21 x 29,6 cm



Mbunge Mbunge, botany student, 2018, Kandahar Tinte und gemahlenes Pigment auf Papier, 125 x 100 cm

In der Ausstellung The Whispering Spring sind drei neue Werkgruppen mit Tuschemalereien der in Südafrika arbeitenden Künstlerin Tanya Poole (*1971 St John's, Kanada) zu sehen, die im Zusammenhang mit ihrem Aufenthalt am Forschungsinstitut des Albany Natural History Museum im südafrikanischen Makhanda entstanden sind. The Swarm, ein „Schwarm“ von etwa 140 kleinformatigen Werken, die Bienen und andere Insekten zeigen, wird gerahmt von acht monumentalen Papierarbeiten aus der Serie At the Edge of the Forest, in denen die Künstlerin in ihrer faszinierenden Lavurtechnik den Blick in Baumkronen öffnet. Diesem natürlichen Kosmos stehen sieben Portraits von Wissenschaftlerinnen gegenüber.

Wer die Halle der Galerie betritt, taucht ein in eine Bildwelt aus Vegetation und Natur. Tanya Pooles meisterhafter Umgang mit Tusche auf Papier, der faszinierende plastische Effekte erzielt, das große Format der Baumkronen sowie die dynamische Installation der Insekten über die Ecke und die Höhe der Wand schaffen ein raumgreifendes Gefüge. Die großen Arbeiten zeigen den Blick gen Himmel, in die Baumkronen hinein. Sie können außergewöhnlicher Weise in allen Ausrichtungen installiert werden, vertikal und horizontal, es gibt kein festes Oben und unten. Die Wirkung der Bilder verändert sich mit jeder Drehung radikal. Poole zeigt nie das ganze Gewächs, sondern Ausschnitte, die einen in die Tiefe ziehen. Auch hier ist die perfekte Beherrschung der Tinte entscheidend, um die Plastizität der Blätter und Äste darzustellen. Aus der Ferne lassen sie sich ganz konkret erfassen, während sich das Motiv in der Nahansicht mitunter in eine Fleckenstruktur auflöst, in der der Verlauf der flüssigen Tusche und kleiner Rinnsale sichtbar wird.

Von teils detailgetreuer Klarheit, aber mitunter auch radikaler Abstraktion sind die Darstellungen von Insekten und Bienen. Poole studiert sie zum Teil durchs Mikroskop. Durch diese genaue Betrachtung fließen hier anatomische Exaktheit und künstlerische Freiheit ineinander. Erkennbar werden feinste Details wie Pollensäcke und Flimmerhärchen der im Flug befindlichen Bienen. Jedes einzelne Exemplar erscheint in der Darstellung der Künstlerin ganz individuell. Hier kommt eine enorme Wertschätzung des einzelnen Lebewesens zum Ausdruck. Poole verleiht in Zeiten massiven Insektensterbens und der Zerstörung natürlichen Lebensraums der diffusen Masse, die sich unserer Vorstellung entzieht, ein konkretes Erscheinungsbild.

Welche Bedeutung das einzelne Wesen und kleinste Beobachtungen für wissenschaftliche Erkenntnisse haben, erkannte Tanya Poole in ihrem Austausch mit den Wissenschaftlerinnen des Albany Natural History Museum, die sie auf Ausgrabungen von Pflanzen- und Insektenfossilien begleitete und deren Arbeitsumfeld sie studierte. Dort entstand auch die Idee für die Ausstellung und die Serien, mit denen die Künstlerin drei verschiedene Welten zusammenführt: Die Welt der Wissenschaft in den Darstellungen der Insekten; die Poesie der Natur, der magischen Momente von Licht und Schatten, des Sich-verlierens im genussvollen Naturerlebnis; und zuletzt das soziale Gefüge der Arbeitswelt des Forschungsinstituts. Letzteres erregte auch deshalb die Aufmerksamkeit der Künstlerin, weil sie im Austausch mit den Forscherinnen von deren Schwierigkeiten der Arbeit in einem noch immer von patriarchalen Strukturen geprägten Umfeld erfuhr. Die wenige Zeit, die Frauen aufgrund ihrer familiären Verpflichtungen für das Verfassen wissenschaftlicher Publikationen bleibt, sowie immer wieder auch Diskriminierung und sozialer Ausschluss nehmen den Forschungsergebnissen der Wissenschaftlerinnen und den Frauen selbst ein Stück weit ihre Sichtbarkeit. Tanya Pooles Portraits aber strotzen vor Stärke, Selbstbewusstsein und Stolz.

Erneut arbeitet Tanya Poole hier in einem komplexen, konzeptuellen Rahmen an ihren im Einzelnen faszinierenden Werken mit Tusche auf Papier. Wie bereits in „Thozama and Rose“ geht sie ihrem Interesse für Orte nach, an denen verschiedene Welten aufeinandertreffen und ein Umfeld entsteht, in dem sich eine einzigartige Erfahrungswelt entfaltet, aber auch soziale Spannungen spürbar werden. Die verschiedenen Motive verweben sich inhaltlich zu einem Netzwerk aus Ideen und Assoziationen, die in uns Fragen wach rufen nach der schöpferischen Kraft, Magie und Schönheit der Natur, aber auch nach ihrer Zerbrechlichkeit.