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Lucinda Devlin


Grain Silo, Earl Park, Indiana, 2009
Chromogenic Print, 50,8 x 50,8 cm



Cut Corn, Shelby County, Indiana, 2009
Chromogenic Print, 76,2 x 76,2 cm



Lake Huron, 2011
Chromogenic Print, 76 x 76 cm



Lake Huron, 2011
Chromogenic Print, 76 x 76 cm

Field Culture & Lake Pictures

8. Juli – 30. September 2011

Ab Freitag, den 8. Juli zeigt die Galerie m Bochum Arbeiten aus den neuesten Serien Field Culture und Lake Pictures der amerikanischen Fotografin Lucinda Devlin (*1947, Ann Arbor, Michigan).

Mit Field Culture (2006-10) widmet sich Lucinda Devlin dem landschaftlichen Erscheinungsbild Amerikas und bricht so mit einer Konstante ihrer früheren Serien. Seit 1977 hat sie sich fast ausnahmslos mit Innenräumen beschäftigt: klinische, durchorganisierte, aufwendig gestaltete und technische Funktions- aber auch Erlebnisräume, wie Kurbäder, Vergnügungsparks, Tiergehege, medizinische Behandlungsräume oder, wie in The Omega Suites (1991), Hinrichtungsräume amerikanischer Justizvollzugsanstalten. Sitten, Werte und Überzeugungen einer Kultur sind abstrakt. In dem Mobiliar, der Technik, dem Gestaltet-Sein und der Funktionalität der Räume, die Lucinda Devlin aufnimmt, werden sie spürbar.

Die Serie Field Culture bestand zunächst aus Aufnahmen der "Empire Farm Days", Landwirtschafts-Messen unter freiem Himmel, und Bildern gigantischer, hochtechnisierter Agrarmaschinen, doch die Schönheit und Spezifität der Felder drängte sich während der Arbeit in der Kulturlandschaft in den Vordergrund. So setzt Lucinda Devlin einen runden Heuballen modellhaft in die Bildmitte; unter strahlend blauem Himmel, zieht sich ein Feldrand wie ein horizontaler Balken durch den Hintergrund. Aufgewachsen im Mittleren Westen und nun sesshaft in Indiana, dem Zentrum des amerikanischen „Getreide-Gürtels“, ist Lucinda Devlin vertraut mit den scheinbar unendlichen Feldern voller grüner Sojapflanzen und goldgelbem Getreide.
Lucinda Devlins Landschaften sind charakteristisch für Amerika ohne klischeehaft zu wirken. Zwischen den sich bis zum Horizont ausdehnenden Pflanzenstängeln wachsen Strommasten und Windkraftwerke aus den Feldern. Silbern glänzende Silos verweisen auf die von Menschenhand geschaffene Struktur, die sich immer wieder in der Reihung und den parallelen Furchen wiederfindet. Die amerikanische Agrarlandschaft ist, paradigmatisch für die globale, industrielle Landwirtschaft, keine natürlich gewachsene, sondern eine von Menschen und Maschinen entworfene Kulturfläche.

Rein visuell erschließen sich Lucinda Devlins Fotografien schnell, sie sind klar strukturiert. Das quadratische Format und die Zentralperspektive verleihen ihrem Kamerablick scheinbar Objektivität. Die Vielschichtigkeit und Tiefe eröffnet sich über die inhaltliche Ebene: Es stellen sich Fragen nach Energie, ihrer Gewinnung, ihrem Verbrauch, ihrer Speicherung und der Zukunft der Agrarwirtschaft - letztendlich nach der Zukunft unserer Natur und Kultur.

Einen Gegenpol zu den grünen und goldenen Feldern bilden die Lake Pictures (2010/11) im Eingangsbereich der Ausstellung. In ihrer reduzierten Formsprache und ruhigen Farbigkeit verstärken sie den Eindruck von unbegrenzter Weite. Die Serie widmet sich dem Lake Huron, einem der fünf großen Seen Nordamerikas, der die Grenze zu Kanada markiert. Es ist faszinierend, wie stark sich die Seefläche auf den unterschiedlichen Fotografien unterscheidet, sind doch Standpunkt und Bildausschnitt immer gleich. Allein das Tages- und Nachtlicht, die Witterungsbedingungen und die Jahreszeit bestimmen die Farben, die Atmosphäre. Wie in den Bildern der Serie Field Culture, erscheint die Landschaft unendlich – jedoch auf eine weniger sichtbare, sondern vielmehr metaphysische Weise. Das innere Auge setzt Himmel- und Wasserfläche über die Bildgrenzen hinaus fort. Als konstante Orientierungslinie führt der Horizont durch die Jahres-, Tages- und Nachtzeiten. Die Natur und nicht vorrangig die Kultur wird hier ins Bild gesetzt.