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Melanie Manchot
Twelve


Leon



Stephen D



Joyce



Stephen D + Stephen G



Stephen G (Bronson)



Robbie

Die Galerie m Bochum zeigt vom 25. September bis 28. November 2015 Twelve, eine neue 3-Kanal-Videoinstallation der in London lebenden Künstlerin Melanie Manchot (*1966 Witten, lebt und arbeitet in London). Twelve spürt den persönlichen Geschichten, Ritualen, Phasen und Brüchen im Leben von zwölf Menschen nach, die sich nach einer schweren Drogensucht in einem Entzugsprogramm befinden. In den einzelnen Filmsequenzen steht jeweils eine Person im Mittelpunkt, deren Erinnerungen und Erlebnisse auf unterschiedliche Weise thematisiert werden – in Monologen oder nachgestellten Szenen alltäglicher Situationen und Ereignisse, die auf dramatische oder abstrakte Weise ausgeführt werden und von Tragik, Pathos oder Humor durchdrungen sind. Formal ließ sich Melanie Manchot von mehreren Werken wichtiger zeitgenössischer Filmemacher inspirieren, deren visuelle Schärfe sie in die eigene Arbeit integriert.

In den vergangenen zwei Jahren arbeitete Melanie Manchot eng mit zwölf Menschen zusammen, die in Drogenentzugseinrichtungen in Liverpool, Oxford und London leben. Twelve ist im Dialog mit diesen Menschen und unmittelbar aus ihren persönlichen, zum Teil geschriebenen oder auch gesprochenen Zeugnissen entstanden. Durch die Arbeit mit der Künstlerin und anderen Teilnehmern konnten sie kreative Ideen und Performances entwickeln und diese in einem gemeinsamen Entwicklungsprozess in die Videoarbeit einfließen lassen. Damit gewährte Melanie Manchot ihnen viel Einfluss und Kontrolle über das Bild, das die Arbeit von ihnen zeichnet.

Die einzelnen Sequenzen der Arbeit sind als Single Shots aufgenommen und beziehen sich auf ikonische Szenen aus Filmen von Michael Haneke, Gus Van Sant, Bela Tarr and Chantal Akerman – eine Bootsfahrt über den Fluss Mersey, ein abgedunkelter Raum mit Blick auf eine Straße am frühen Morgen, eine Fahrt durch eine Autowaschanlage, das Schneiden von Gänseblümchen mit einer kleinen Schere, obsessives Scheuern des Bodens. Diese Szenen bilden den Rahmen für Reflektionen der Protagonisten über vergangene Ereignisse und Geisteszustände. Twelve greift auf eine Vielzahl filmischer Mittel zurück um die Komplexität und den nichtlinearen Verlauf von Sucht und Drogenentzug zum Ausdruck zu bringen.

Obwohl die Arbeit sich sehr konkret mit der Lebenssituation von Suchtkranken beschäftigt, bietet sie auch zahlreiche Ansatzpunkte für eine weiter gefasste Auseinandersetzung mit existentielle Schwierigkeiten und Herausforderungen des Lebens. Twelve kreist um die Frage, ob und wie im Laufe eines Lebens immer wieder neue Lebensinhalte und –formen gefunden werden müssen um Antworten auf die Schwierigkeiten des Seins zu finden.

Melanie Manchot arbeitet mit Fotografie, Film, Video und Installationen im Rahmen einer performativen und partizipatorischen Praxis. Ihre Projekte setzen sich häufig mit bestimmten Orten oder öffentlichen Räumen auseinander und spüren individueller und kollektiver Identität nach. Dabei untersucht Manchot unter anderem Gesten und Bewegungsmuster, die sich als Merkmale einer Gruppe oder Gemeinschaft betrachten lassen.

Twelve ist im Auftrag von Portraits of Recovery entstanden und wurde von Melanie Manchot zusammen mit Action on Addiction, the Ley Community and the Psychosocial Research Unit at the University of Central Lancashire entwickelt. Melanie Manchot stellt auf der Webseite http://www.twelve.org.uk Material über den Film und den Kontext zur Verfügung. Diese Plattform dient als Ausgangspunkt für die Auseinandersetzung mit dem Thema und soll mit der Zeit weiter wachsen.