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Lena von Goedeke

Lena von Goedekes Werke – in akribischer Handarbeit gefertigte Scherenschnitte, massive, dabei fast schwebende Landschaften aus Zement, feine, sich über die ganze Wand ziehende Zeichnungen – muss man im Original betrachten um sie zu begreifen. Der feine, staubige Sand des Zements, der an den Rändern weggerieselt ist und eine karge Landschaft hinterlassen hat; das Glitzern und Leuchten einer zu plastischen Mustern geschnittenen Reflektorfolie: Das Material, seine Beschaffenheit und die Oberflächen bannen den Blick und werfen Widersprüche und Fragen auf.
 
Detail Lot VI, 2018
Lots
Landschaft steht als Motiv in vielen Arbeiten Lena von Goedekes im Mittelpunkt. Hier vereint sich vieles von dem, was sie beschäftigt. Dabei spielt ihr persönliches Erleben teils extremer Landschaften auf Reisen und Wanderungen für die Entstehung neuer Werke eine zentrale Rolle.
Die Muster und Strukturen der Lots scheinen in ihrer Perfektion und Systematik maschinellen Prozessen entsprungen zu sein, was tatsächlich auch so ist: Das dreidimensionale Netz des Scherenschnitts wurde von der Künstlerin mithilfe eines Computerprogramms zur Erstellung virtueller Welten entworfen und dann in beharrlicher Handarbeit ausgeschnitten.
Zombie (7), 2018
Zombies
"Der Schritt vom Modell zur räumlichen Intervention und Installation vollzieht sich [...] im Einsatz von Materialien, die ihre Formen durch ihre Konsistenz gleichsam selbst hervorbringen. Aufgeschütteter Zementsand auf einer fast schwebenden Platte entwirft sich in eine Landschaft, die keiner weiteren Eingriffe und Formungen bedarf – jedes einzelne Partikel scheint einer unbestimmten Logik zufolge genau dort angeordnet zu sein, wo sein Platz ist."
Dr. Christiane Schürkmann & Anna-Lena Treese, 2016
Certificates
Lena von Goedekes Werke sind in ihrer Genese eng mit elektronischer Datenverarbeitung verknüpft. Sinnbildlich verdichtet sich dies in den Certificates im Fingerabdruck als Referenz zu unserem Dasein zwischen analoger und virtueller Welt: Der digitale Fingerabdruck als Spur unserer Onlineaktivität, das Entsperren des Touchscreens und der Touchscreen als solcher, der Finger als Zugang zur virtuellen Welt, in der paradoxerweise im Moment ihres „Betretens“ das Haptische und damit viele Ebenen der sinnlichen Wahrnehmung außen vor bleiben.
Papercuts
"Ihr bildnerisches Repertoire bezieht Lena von Goedeke aus ganz unterschiedlichen Referenzsystemen wie etwa den Naturwissenschaften, architektonischen Strukturen sowie digitalen Phänomenen, die sie beobachtet und für ihre Arbeiten akquiriert. (...) Mit der geduldigen Technik des Scherenschnitts vollzieht die Künstlerin den Prozess der Entstehung von Strukturen, Ordnungen und Mustern geradezu leiblich nach – diese entfalten sich langsam und planvoll. So sind die Arbeiten zugleich immer auch Modelle von bewegten Ordnungen beziehungsweise modellierte Zeit im Raum."
Dr. Christiane Schürkmann & Anna-Lena Treese, 2016