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Simone Nieweg
Simone Nieweg (*1962 Bielefeld, lebt und arbeitet in Düsseldorf) studierte an der Kunstakademie Düsseldorf und war Meisterschülerin von Bernd und Hilla Becher. Feld-, Wald- und Wiesenlandschaften sowie Gärten sind ihre Themen, mit denen sie sich in einer Art Langzeitstudie seit 1986 auseinandersetzt.

Ihre Arbeiten wurden jüngst in der Retrospektive Natur der Menschen im Josef Albers Museum, Bottrop, gewürdigt. Eine Besprechung des umfangreichen Katalogs ist in La Lettre de la Photographie erschienen.

Einen Kommentar von Simone Nieweg über ihre Arbeiten in der Ausstellung Der rote Bulli im NRW-Forum Düsseldorf
finden Sie unter folgendem Link.

Die Formate können je nach Bild variieren.
Querformate sind üblicherweise in den untenstehenden Größen verfügbar:

Kleinformat: ca. 38 x 48 cm, gerahmt: ca. 60 x 70 cm
Mittelformat: ca. 75 x 110 cm, gerahmt: ca. 100 x 140 cm
Großformat: ca. 103 x ca. 145 cm, gerahmt: ca. 136 x 178 cm


 



Tomaten, Cravanche, 2004, C-Print
SIMONE NIEWEG - LANDSCHAFTSPHOTOGRAPHIEN

Seit den Achtzigern arbeitet die Düsseldorfer Photographin Simone Nieweg konsequent an einem der ältesten und traditionsreichsten Themengebieten der Bildenden Kunst: dem Landschaftsbild. Das Interesse der Künstlerin gilt jedoch keineswegs der eindrucksvollen klassischen Landschaftsvedute, sondern den unspektakulären und visuell unaufdringlichen Räumen der Peripherie, am Schnittpunkt zwischen Stadt und Land, Kultur und Natur. Ihre Aufnahmen zeigen keine einprägsamen Landstriche oder Naturereignisse sondern allgegenwärtige Getreidefelder, Waldränder, brachliegendes Weideland, umgegrabene Äcker, Bachwiesen und schlammige Feldwege, vom Menschen kultivierte Nutzlandschaften. Um das geeignete Motiv aus diesen auf den ersten Blick eintönigen Gegenden herauszufiltern bedarf es einer gewissen Vertrautheit mit der Umgebung, die sich Simone Nieweg auf langen Spaziergängen und Wanderungen erwirbt. Der Großteil der Aufnahmen entstand so in nächster Nähe zum geographischen Lebensmittelpunkt der Photographin, um Düsseldorf, Westfalen und den Niederrhein.



Pflaumenbaum, 2006, C-Print
„Malerische“ Landschaften
Die von Simone Nieweg als Motiv gewählten Landschaften erscheinen in ihrer Unerheblichkeit ortlos. Das Hauptaugenmerk liegt nicht darauf eine geographisch konkret lokalisierbare Landschaftssituation abzubilden, sondern gewisse formale Vorstellungen zu realisieren. Eine entscheidende Rolle spielen die ausgeklügelte Komposition und die formale Gliederung der Aufnahmen, die einem gewissen einheitlichen Grundmuster folgen. Gemeinsam ist allen Aufnahmen eine nach oben verschobene Horizontlinie und ein schmaler Streifen wolkenfreien, einheitlich grauen Himmels. Der Standpunkt der Aufsicht lässt die Landschaftsausschnitte nach vorne in die bildparallele Fläche kippen. Es entsteht weniger der Eindruck perspektivischer Tiefenräumlichkeit als das Nebeneinander farblich und in der Oberflächenstruktur subtil differenzierter Flächen. Diese einzelnen Flächen fügen sich zu einer ausgewogenen Komposition, die den Aufnahmen ein Moment der Ruhe, der Abgeschlossenheit und auch Monumentalität verleiht und die Landschaften aus ihrer Unbedeutsamkeit enthebt. Die kompositorische Gliederung der Photographien ergibt sich aus den topographischen Begebenheiten ebendieser Landschaften. Simone Nieweg nutzt vorhandene Strukturen wie sie in geometrisch angelegten Nutzlandschaften bereits per se vorhanden sind. Das Zusammenfassen der kleinteiligen und farblich nuancierten Strukturen zu großen Formen unterstützt zusätzlich den Eindruck der in sich Geschlossenheit der Landschaftsausschnitte. Für Dynamik sorgen Elemente wie Übereck-Situationen oder bilddurchschneidende Diagonalen, etwa Feldwege oder Ackergrenzen, die im spannungsreichen Kontrast zur dominierenden Horizontale des Horizontes stehen. Simone Niewegs Verfahrensweise orientiert sich also weniger an fotografisch getreuen Wiedergaben einer bestimmten Landschaftstopographie sondern am tektonisch-bildmäßigen Kompositionsprinzip der Landschaftsmalerei der klassischen Moderne. Bereits ihre Arbeitsweise, die intensive Auseinandersetzung mit der Natur in der Natur erinnert an die Plein-Air Malerei der Impressionisten, aber auch die Wahl der Bildausschnitte, der wertfreie Blick auf das Motiv und das Interesse am Nebensächlichen und Alltäglichen verbindet sie mit deren künstlerischen Praxis. Gerade im Aufbau und der Komposition finden sich vergleichbare Ansätze zu Cezannes Landschaftsbildern, der sich –ganz ähnlich wie Simone Nieweg- Zeit seines Lebens mit der Natur und Landschaft seiner Umgebung auseinander setzte. Beide verbindet die bildliche Rückführung der natürlichen Formen auf geometrische Grundelemente und der Aufbau der Komposition aus einzelnen Farbflächen zu einem Ganzen, das durch eine eigenartige Ambivalenz zwischen abstrakten Farbformen und einer gegenständlichen Lesbarkeit gekennzeichnet ist und sich so vom Darstellungsgegenstand und einem eindimensionalen Abbildungsverhältnis emanzipiert. Diese mehr oder weniger bewussten Bezüge zur Malerei sind also deutlicher Ausdruck eines medienreflexiven Ansatzes in Simone Niewegs Landschaftsphotographien. Durch das Umschlagen der Landschaftsaufnahmen, die durch die genaue Lokalisierung des Aufnahmeortes im Titel in ihrem konkreten Wirklichkeitsbezug bestärkt werden, in eine Farbflächenkomposition, die abstrakten Prinzipien folgt, wird der rein dokumentarisch- abbildliche Charakter der Photographie in Frage gestellt und deren bildhaft-konstruktiven Qualitäten angesprochen.



Erbsenfeld, Moussy-le-Vieux, 2006,
C-Print
„Land schaffen“ – Landschaft als Konstrukt
Simone Niewegs Landschaftsbilder zeigen von Menschenhand geschaffene, in einzelne Parzellen und Vegetationsbereiche eingeteilte und gestaltete Landschaften. Die Entscheidung für diesen Motivkomplex macht deutlich, dass Landschaft in jeder Hinsicht keine sich selbst hervorbringende, natürlich gegeben Erscheinung ist, sondern ein kulturell überformtes Konstrukt, Resultat einer mehr oder weniger absichtsvollen räumlichen Inszenierung durch den Menschen. Die Landschaft entlarvt sich in den Photographien als künstliche Konstruktion von Natur, geprägt durch kulturelle und wirtschaftliche Bedingungen und Voraussetzungen. Diese Konstruiertheit der Landschaft erfährt schließlich im Landschaftsbild und in der Landschaftsphotographie eine erneute Verdoppelung, sind deren Ergebnisse doch immer Manifestationen einer ästhetisch vermittelten Aneignung von Landschaft. Neben den bereits angesprochenen formalen Aspekten greift Simone Nieweg also auch auf der motivischen Ebene die Frage nach der scheinbaren Authentizität photographischer Bilder auf.

Maria Schindelegger
publiziert in Eikon #43, November 2003